Schon zu beginnt tritt mit der mysteriösen Mara eine außenstehende Figur in die enge, bedrückende Gemeinschaft. Die kommt aus der Freistadt Christiania in Kopenhagen und fasziniert besonders Thies und Sophie, auch wenn Mara sich auch Inga und deren Tochter Jella annähert. Mara dringt hinter die Fassaden, fragt und hört hauptsächlich zu und beobachtet. Schließlich konfrontiert sie die Familien mit unliebsamen Wahrheiten, die Schmerzen bereiten, aber auch Möglichkeiten zum Neuanfang schaffen.
Erzählt wird der Roman durch ständige Perspektivwechsel aller Beteiligten. (Beim Audiobook führt dies dazu, dass man besonders auf die Namensnennung zu Beginn jeden neuen Abschnitts achten muss, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran...) Man erhält also weitgehende Einblicke in die emotionale Verfassung und Haltung der Charaktere. Nach und nach werden die Schichten des (Ver-) Schweigens um den Tod des Jungens und die Geschehnisse der Vergangenheit aufgedeckt. Gefallen hat mir die dichte Atmosphäre und die anhaltende Spannung, was am Ende alles aufgedeckt werden wird. Der leicht politische Anstrich mit Bezugnahme auf die Proteste zu Castor-Transporten (Gorleben, Ende der 70er) hat sich mir nicht ganz erschlossen, ebenso die Verortung von Mara in dem freilebigen Christiania. Vielleicht ist ersteres nur dem Setting im Wendland geschuldet.
Insgesamt ist Unter Wasser Nacht ein lesenswertes Romandebut.
Kristina Hauff, Unter Wasser Nacht. DAV 2021.














